Framing

Framing allgemein:

Leider mangelt es an wissenschaftlicher Einheitlichkeit, weswegen nur ausgewählte Aspekte von Framing beleuchtet werden können. Diese kommen zum großen Teil aus dem Bereich der Kommunikationswissenschaft.

Frames sind Interpretationsrahmen, kognitive Strukturen, Bündel von Schemata. Die Brücke vom Medium und seinem Inhalt (Darstellung) zum Rezipient (Schema)

„Frames strukturieren (wahrgenommene) Realität, sie bieten eine Definition und Bewertung des Problems sowie möglicherweise eine Ursachenzuschreibung und damit verbundene Handlungsempfehlungen (Unz 2008:145)

Beispiel: Darstellung von Arbeitslosigkeit als „Folge der Wiedervereinigung“ oder „Strukturproblem der Marktwirtschaft“

Framing „to frame is to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a communicating text,   in such a way as (1) to promote a particular problem   definition, (2) causal interpretation, (3) moral evaluation,   and/or (4) treatment recommendation for the item described.“ (Entman 1993: 52)

  • Framing Effekt tritt kurz nach der Rezeption eines Medienframes ein, welches bestimmte Merkmale salient macht.
  • Die Framing Forschung ist verwandt zur Forschung der Attributions Theorie (Heider) und Frame Analyse (Goffman 1980) und ist Bestandteil verschiedener Fachrichtungen wie Kommunikationswissenschaft, Psychologie, Politikwissenschaft, Soziologie.
  • In der Kommunikationswissenschaft gibt es mehrere Perspektiven in der Framing-Forschung. Journalistenperspektive, inhaltszentrierte, öffentlichkeitszentrierte  und wirksamkeitszentrierte Perspektive
  • Rein psychologisches Frame bezieht sich auf die positive/negative Beschreibung von Problemen und davon abhängige Lösungen

Man unterscheidet zwischen Media Frames und Audience Frames

  • Media Frames – Entstehen durch journalistische Normen – Selektion, Hervorhebung oder Betonung bestimmter Ausschnitte der Realität durch die Medien / Rahmung durch Medium Organisatorische Festlegungen, dienen zur schnellen Identifikation und Klassifizierung von Informationen
  • Audience Frames – gespeicherte Ideengebilde die die individuelle Informationsverarbeitung lenken, welche Interpretationsraster wenden Medienrezipienten an, bzw. inwieweit übernehmen sie Medienframes neben individuellen Merkmalen auch von Attributen des Mediums abhängig (Glaubwürdigkeit)

Framingforschung gibt es unter anderem zu PR-Arbeit, Sozialen Bewegungen. In verschiedenen Studien wurden über 500 verschiedene Frames definiert.

  • Iyengar (1991) (weit verbreitet) – thematisches und episodisches
    • Thematisch = Darstellung anhand von Hintergrundinformationen
    • Episodisch = Präsentation anhand exemplarisch ausgewählter, verschiedener Ereignisse
  • De Vreese (2005) themenspezifisch und generisch
    • Themenspezifisch = inhaltsbereich
    • Generisch = themenübergreifen, unabhängig von Zeit und Kultur (Konflikt, Human-Interest, Moral)

Forschungsdesigns innerhalb der Framingforschung

1. Identifikation von Medienframes (wie wird gerahmt? /wie häufig?)

–> Inhaltsanalyse der Medien

2. Identifikation von Rezipienten Frames (welche Interpretationsraster werden angewendet?/ Inwiefern werden Medienframes übernommen?

–> Befragung oder Laut-Denken inhaltsanalytisch auswerten

  • Besonderheit: Medien-Frames können sowohl als abhängige als auch unabhängige Variable implementiert werden.

Erklärungsansätze:

  • Assoziatives Netzwerkmodell – Frames beeinflussen Abrufbarkeit von Assoziationen/ aktivieren kognitive Schemata
  • Erweiterung von Agenda Setting – Prägung von themenbezogenen Eigenschaften. Als Second-Level-Agenda Setting bezeichnet, da durch angenommene Frames die Einstellung zur Wichtigkeit der Attribute und Eigenschaften von Objekten, Personen etc. beeinflusst wird. (Viel diskutierte Zusammenhänge, siehe Scheufele 2004)
  • Attributionstheorie – zur Komplexitätsreduktion wollen Kausalbeziehungen erschlossen werden, durch Framing werden Verantwortungszuschreibungen etc. mitgeliefert (vgl. Heider)

Folgen von Framing:

  • Individuell: Beeinflussung von Informationsverarbeitungsprozessen, Einstellungen und Entscheidungen (Schemata, Stereotype)M
  • Gesellschaftlich: Beeinflussung der öffentlichen Meinung, gesellschaftlicher Prozesse (durch Individuum geprägt)

Exkurs: Arten von Framing durch Organisationen, Parteien (im Bezug auf soziale Bewegungen):

  • Diagnostic Framing: Zustand oder Begebenheit wird als problematisch oder änderungswürdig interpretiert. Zugleich werden Verantwortliche (bzw. „Schuldige“) für den (unhaltbaren) Zustand identifiziert. Beispiel: G8-Gipfel in Genua oder Heiligendamm. Industrienationen (mit) verantwortlich für Armut und wachsende Ungleichverteilung
  • Prognostic Framing: Für Selbsterhalt und Erfolg von sozialer Bewegung: neben Problemursachen auch Lösungen sowie Prognosen über die Behebung des Problems geben. Beispiel: Antidiskriminierungsgesetz, Gender-Richtlinien
  • Motivational Framing: Gründe für das Mitmachen. Sicherstellung von Engagement. Beispiel: Moralisierung von Handlungsbedarf und -bereitschaft.
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2 Gedanken zu “Framing

  1. Pingback: Agenda Setting | effektegruppe
  2. Pingback: Krisenkommunikation - eine Frage des Framings, Herr Pschera? - Trainee Insights

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